Skulptur "Hildegard von Bingen" (1998)
von Karlheinz Oswald
vor dem Kloster Eibingen

Hildegard von Bingen - Leben und Werk


Hildegard von Bingen, 1098 – 1179, war eine große, charismatische Frau des Mittelalters, die durch ihre visionäre Schau abendländische Geistesgeschichte schrieb. Sie hat das kosmisch-mystische Weltbild durch Medizin, Musik, Theologie und Dichtung als Einheit dargestellt. Der Mensch ist ein fester Bestandteil der Schöpfung, eingebunden in ein geheimes Netzwerk zwischen Himmel und Erde und der Natur, welches alles miteinander verbindet.

Der Mensch wird in seiner "Ganzheit" behandelt und somit wird auf die eigentliche Ursache der Erkrankung eingewirkt. Sie beschreibt ebenso die Wirkung der 4 Elemente. Ganz besonders weist sie immer wieder auf die Verbindung Mensch-Gott hin, von welcher alle Liebe und Lebenskraft ausgeht. Grundsätzlich geht es in der Hildegard-Heilkunde darum, den Körper von schlechten Säften zu reinigen, weil von jenen, wenn sie sich im Körper erheben, alle Krankheiten ausgehen.

Schlechte Säfte können auf Grund von Ernährungsfehlern, schädlichen Lebensmitteln, aber auch durch Wut, Stress, Kummer, Sorge usw. entstehen. Hildegard beschreibt, welche Heilmittel bei welchen Leiden eingesetzt werden und in ihren 6 goldenen Lebensregeln erklärt sie genau, was der Mensch tun kann um Gesund zu werden oder seine Gesundheit zu erhalten.

Musik, Tanz und Meditation für die Sinne. Die Grünkraft zum Regenerieren. Regelmäßiger Aderlass, Schröpfen und Fasten zur Reinigung von Körper, Seele und Geist. Heilmittel als Nahrungsmittel werden von Hildegard empfohlen. Hildegard von Bingen war bis ins hohe Alter aktiv und weit über die Grenzen bekannt. Viele Menschen suchten ihren Rat und ihre Hilfe.

In der heutigen Zeit, in der die Rohstoffe immer knapper und teurer werden und die Menschen durch den Umstand der wirtschaftlichen Lage Selbstverantwortung übernehmen "dürfen", kann gerade die Hildegard-Medizin für die sogenannten Zivilisationskrankheiten und deren Folgen sehr erfolgreich und auf einfache und effektive Weise eingesetzt werden.

Nach Hildegard besteht der Mensch aus den 4 Elementen: Erde, Wasser, Luft, Feuer.

Diese werden im Menschen durch die 4 Säfte repräsentiert: Schwarze Galle, Schleim, Blut, gelbe Galle.

Außerdem teilt man die Menschen in 4 Temperamente ein, die wiederum mit den Elementen und den Körpersäften in Verbindung stehen:

Melancholiker: schwermütig, grüblerisch
Element Erde - schwarze Galle, Milz-Galle erhöht
Phlegmatiker: träges, zähes Temperament
Element Wasser - Schleim erhöht
Sanguiniker: gesteigerte Erregbarkeit, Heiterkeit, Gereiztheit
Element Luft - Blutfülle
Choleriker: aufbrausend, jähzornig
Element Feuer - gelbe Galle, Leber-Galle erhöht

Hildegard von Bingen - Zeittafel


1098 Hildegard wird in Bermersheim bei Alzey geboren. Die Eltern sind Hildebert Burggraf von Bermersheim und seine Frau Mechthild. Sie ist das Jüngste von 10 Kindern.
1106 8-jährig kommt Hildegard in die Klause am Disibodenberg (bei Bad Kreuznach), welche an ein Mönchskloster angebaut war. Dort wird Hildegard von Jutta von Sponheim für das geistliche Leben erzogen.
1113 Sie entscheidet sich für ein Leben im Kloster, legt ein Gelübde ab und wird Benediktinerin.
1136Jutta stirbt und Hildegard wird zur Nachfolgerin gewählt. Sie wird Äbtissin des Frauenklosters.
1141 Hildegard, die seit der Kindheit die Gabe des Sehens besitzt, erhält von Gott den Auftrag, alles aufzuschreiben und zu verkünden, was ihr in Visionen offenbart wird. Nach anfänglichem Zögern beginnt sie mit Hilfe des Mönchs Volmar und Schwester Richardis von Stade mit den Aufzeichnungen ihrer Visionen.
1148Pabst Eugen III erkennt ihre Sehergabe offiziell an.
1150Hildegard gründet das Kloster Rupertsberg bei Bingen. Viele Menschen aus allen Schichten ersuchen bei ihr Rat und Hilfe
1151 - 1158 Es entstehen die naturheilkundlichen Schriften Physica (Heilkraft der Natur) und Causae et curae (Ursache und Behandlung von Krankheiten).
1158 - 1163 Missionspredigten in Frankreich, Lothringen und im Rheinland
1163 Das Buch "Liber Divinorum Operum" (Buch der göttlichen Werke) wird als letztes ihrer großen Visionsschriften begonnen.
1165 Hildegard gründet das Kloster Eibingen bei Rüdesheim auf der anderen Rheinseite
1170Trotz ihres hohen Alters und körperlicher Beschwerden unternahm sie immer wieder Missions- und Predigtreisen.
1178 Wird das Interdikt über das Kloster am Rupertsberg verhängt, weil Hildegard einen exkommunizierten Adeligen beerdigen lässt. Als sie sich weigert ihn exhumieren zu lassen, kommt es zu dieser schwerwiegenden Strafe.
1179Im Frühjahr wird das Interdikt aufgehoben. Am 17. September stirbt Hildegard im Alter von 81 Jahren. In der Todesnacht soll nach Überlieferung ein großes, helles Licht am Himmel erschienen sein.
2012Am 10. Mai 2012 dehnte Papst Benedikt XVI. die Verehrung der hl. Hildegard auf die ganze Kirche aus und schrieb sie in das Verzeichnis der Heiligen ein.

Am 7. Oktober 2012 folgte ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin.
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